Hinter uns liegt eine Spielzeit voller Höhen und Tiefen. Die Saison 25/26 war eine echte Achterbahnfahrt, die uns als Team alles abverlangt hat. Geprägt von extremem Verletzungspech, personellen Engpässen und Wechseln im Trainerstab mussten wir bis zum Schluss gegen heftigen Gegenwind ankämpfen.
Eine von Unruhe geprägte Hinrunde
Die erste Saisonhälfte stand unter keinem guten Stern. Ein anhaltendes Verletzungspech und schmerzhafte Langzeitabsenzen wirkten sich direkt auf die Kaderstabilität aus. Durch die ständige Fluktuation war es uns fast unmöglich, Konstanz auf den Platz zu bringen. Nur selten konnten wir mit derselben Startelf auflaufen, was den Rhythmus und das Zusammenspiel sichtlich erschwerte.
Man hatte zwar durch Neuzugänge wie Alex Glaus und Fabian Thöni spielerisch qualitative Verstärkungen geholt, jedoch blieben die Erfolge in den ersten sieben Spielen aus. Mit nur 2 Punkten sassen wir am Tabellenende fest. Nach der 7:0-Klatsche gegen den FC Altstetten kam die Wende: Man verpflichtete Nurettin Atici als Verstärkung in den Coachingstaff und in den letzten vier Spielen vor der Winterpause konnten wir die Aufholjagd in der Mission Klassenerhalt mit zwei Siegen und einem Unentschieden erfolgreich anstossen und mit neuer Zuversicht in die Pause gehen.
Hoffnungsvolle Rückrunde und Trainerwechsel
Die Wintervorbereitung weckte neue Lebensgeister. Das jährliche Trainingslager sorgte für den nötigen moralischen Boost. Direkt im Anschluss konnten wir mit starken Testspielsiegen gegen Aufstiegsanwärter aus der Nachbargruppe – wie den FC Blue Stars und den BC Albisrieden – zeigen, was wirklich in uns steckt. Die Stimmung war gut, auch weil Kapitän Huber und Vizekapitän Straumann nach ihren langen Verletzungspausen endlich auf den Platz zurückkehrten. Zudem brachte Neuzugang Arman Maurer offensive Dynamik, Flair und frischen Wind in die Truppe, womit er das Durchschnittsalter unseres Kaders deutlich senkte 🙂
Der Start in die Pflichtspiel-Rückrunde verlief jedoch ernüchternd: In den ersten fünf Partien der Aufholjagd konnten wir lediglich einen einzigen Punkt gegen den FC Witikon ergattern. Nach dieser mental schwierigen Durststrecke verliess Nurettin Atici ohne Abschied seinen Trainerposten.
Die späte Formkehr und der bittere Gang in die 4. Liga
Dieser Umbruch sorgte jedoch unerwartet für die Wende. Die Mannschaft bewies Charakter und startete eine beeindruckende Serie von drei Siegen und einem Unentschieden. Erst eine verhängnisvolle Niederlage gegen Republika Srpska bremste uns endgültig aus. Am Ende reichte dieser späte Endspurt leider knapp nicht mehr aus, um den Klassenerhalt zu sichern.
Dennoch gebührt dieser Truppe ein riesiges Chapeau! Der Wille und der Ehrgeiz, bis zur letzten Sekunde an das Wunder zu glauben und alles für den Ligaerhalt zu geben, waren absolut vorbildlich.
Das grosse Manko: Die Crunchtime nach der 70. Minute
Der Blick auf die nackten Zahlen zeigt schonungslos, woran es letztlich lag: Unser grösstes Defizit war das Standvermögen in der Schlussphase. In sage und schreibe 9 Spielen haben wir nach der 70. Minute insgesamt 24 Punkte aus der Hand gegeben. Hätten wir diese Führungen oder Unentschieden über die Runden gebracht, würden wir jetzt mit 47 Punkten als Tabellenerster den Aufstieg feiern, anstatt den Gang in die 4. Liga anzutreten. Es war schlichtweg nicht unsere Saison – normalerweise steigt man in der 3. Liga mit 23 Punkten nicht ab.
Offensive Flaute und defensive Defizite
Tore waren in dieser Saison insgesamt leider absolute Mangelware. Mit einer Tordifferenz von -29 belegen wir in dieser Statistik das Schlusslicht der Liga. Hier fehlte es uns über weite Strecken an der nötigen Durchschlagskraft und der Effizienz im Abschluss.
Die Highlights: Den Grossen ein Bein gestellt
Trotz des bitteren Ausgangs gab es Spiele, auf die wir stolz sein können und die das wahre Potenzial der Mannschaft unterstreichen:
- 3:1-Sieg gegen den Aufstiegsaspiranten FC Srbija
- 1:0-Sieg gegen 2.Liga Absteiger FC Oerlikon/Polizei
- 2:2-Unentschieden nach hartem Kampf gegen Witikon
- 0:0-Remis gegen den späteren Meister Seefeld
Ein grosses Dankeschön an Dario Müller
Ein ganz besonderes Ausrufezeichen setzte Dario Müller. Mit sensationellen 17 Treffern sicherte er sich den 2. Platz in der ligaweiten Torschützenliste. Dario hat damit 44% aller Tore des FC Neumünster erzielt diese Saison, herzliche Gratulation zu dieser herausragenden persönlichen Leistung! Gleichzeitig zeigt uns diese Statistik aber auch, dass wir in der kommenden Saison in der Breite deutlich mehr offensive „Firepower“ benötigen.
Dank, Abschied und Ausblick auf die neue Saison
Ich möchte mich bei allen Spielern, Trainern und Funktionären von ganzem Herzen für den unermüdlichen und engagierten Einsatz im Training sowie bei den Spielen bedanken. Der Zusammenhalt und das Herzblut sind und bleiben das Fundament, das diesen Verein so besonders und stark macht.
Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass diese Truppe die Qualität besitzt, in der kommenden Saison in der 4. Liga direkt wieder ganz oben um den Aufstieg mitzuspielen.
Für mich persönlich schliesst sich mit diesem Saisonende ein langes, wunderschönes Kapitel. Nach sieben gemeinsamen Saisons, was den Meilenstein des Aufstiegs 2023 in die 3. Liga beinhaltet, fällt mir der Abschied unheimlich schwer und ich werde die Zeit mit euch allen sehr vermissen.
Mich zieht es nun zu einer neuen Aufgabe: In der kommenden Saison werde ich mich dem Jugendfussball widmen, mit dem Ziel, junge Talente gezielt auf ihrem Weg in den Elitefussball vorzubereiten, zu fördern und zu begleiten.
Ich wünsche der Mannschaft, dem gesamten Verein und der Neumünster-Familie nur das Beste, eine wunderbare und erholsame Sommerpause sowie einen erfolgreichen, kraftvollen Start in die neue Saison 2026/2027!
Coach
Ville Westerberg
