Die Überwindung des Rösti(ischsgröschti)grabens 

L‘arrivée 

Vom 19. bis 22. März absolvierte der FC Neumünster ein Kurztrainingslager im malerischen Montreux. Ein Grossteil des Kaders reiste bereits am Donnerstagabend an und bezog das Teamhotel De Chailly. Nach einem gemeinsamen Abendessen wurde die hauseigene Kegelbahn in Beschlag genommen. Die gezeigten Leistungen blieben überwiegend auf amateurhaftem Niveau, wodurch sich die Aufmerksamkeit rasch auf die ebenfalls im Untergeschoss gelegene Bar verlagerte. Diese erwies sich jedoch als unerwartet leer, weshalb eine mitgebrachte Whiskyflasche kurzfristig Abhilfe schuf. Die ursprünglich für das gesamte Wochenende vorgesehene Reserve war binnen weniger Stunden aufgebraucht, sodass man anschliessend verzweifelt den Weg ins Stadtzentrum suchte. Ein Zwischenstopp in der Cocktailbar «Why» blieb warum auch immer, vielleicht aufgrund der fragwürdigen Preisgestaltung von kurzer Dauer. 27 Höger füren Gin Tonic, wie meineder das? Aber der Markt reguliert sich ja bekanntlich selber, gäll Are. Während ein Teil der Mannschaft den Abend im nahegelegenen Ca-sino(es wird mit kurzem a und kurzem i ausgesprochen, alles andere ist Humbug) fortsetzte, zog sich ein anderer Teil frühzeitig zurück, im Hinblick auf die bevorstehenden Trainingseinheiten. 

Le premier buffet 

Der Freitag in Montreux begann mit einer kulinarischen Sensation: Vernunft. In einem Akt kollektiver Selbsterhaltung und unter Berücksichtigung des berüchtigten «Cipollata-Traumas» vergangener Tage blieb die fettige Wurstdelikatesse diesmal von den Tellern der Neumünster-Spieler fern. Danach hiess es: Abmarsch! Der Tross begab sich auf den Fussmarsch zum Trainingsplatz, wobei die frische Genferseeluft die letzten Whisky-Schwaden aus den Lungenflügeln vertreiben sollte. Unter frühsommerlichen Temperaturen und einer Sonne, die es fast zu gut mit einem meinte, rollte das Leder über das Kunstrasengeläuf. Das Trainingsniveau war beachtlich, auch wenn anfangs bei der «Fraktion Ca-sino & Whisky» der Motor noch etwas stotterte. Einige Spieler mit Trainingsrückstand kamen nach Trainingsabschluss noch in den Genuss zusätzlicher Laufeinheiten, wobei die Belastung bei einigen Akteuren noch Spuren des Vorabends erkennen liess, gäll Düdü. Nach dem gemeinsamen Mittagessen im Teamhotel und einer kurzen Regenerationsphase folgte die zweite Trainingseinheit, in deren Fokus insbesondere Standardsituationen standen. Ziel war die Optimierung von Abläufen im Hinblick auf die anstehende Rückrunde, hatte man doch noch einigen Nachholbedarf, was Tore nach ruhenden Bällen anbelangt. Ecken, Freistösse und Varianten wurden so lange exerziert, bis die Abläufe sassen wie die «Frisi» von Kapitän Huber nach dem Duschen. Derweil begab sich eben jener Huber gemeinsam mit zwei anderen Nachzüglern, Sadiku und Müller, gemeinsam auf die Fahrt nach Montreux. Wobei gemeinsam so nicht ganz richtig ist. Während die Grosskapitalisten Huber und Sadiku sich in der ersten Klasse einnisteten, weil sie noch ein paar “äusserst wichtige Calls“ machen mussten, reiste Müller mit dem Rest des Proletariats in der Holzklasse. Ein Mann des Volkes eben, dafür hatte er dann auch einen bequemen Stehplatz bis Olten. Eine Weile später suchte er das charmante SBB-Bordbistro auf und investierte die eingesparten Fahrtkosten clever in gräulichen Kaffee und warmes, kohlensäurearmes Bier.  Währendessen wurden im neugegründeten Whatsappchat, gäll(sorry) Tom, fleissig Impressionen vom gleichzeitig stattfindenden Nachmittagstraining geteilt. Vor allem die Bilder eines wieder in Form(Nomen est omen) kommenden Straumanns lassen die Herzen jedes Neumiaficionados höherschlagen. Als die drei ??? dann in Montreux doch noch zusammenfanden, lösten Justus, Peter und Bob zuerst einmal zwei knifflige Hülsenrätsel am äusserst verdächtig erscheinenden Lac Léman und stiessen anschliessend im Hotel zum Gros des Teams dazu. Vor dem Hotel hatte sich zu dieser Zeit bereits eine beachtliche Schar zum gemeinsamen Höckle eingefunden, nur Dürig nicht, dieser räkelte sich etwas abseits ungelenk auf einer hübschen Polstergruppe. Was war wohl los? Chopfweh, Buchweh, man weiss es nicht. Das Abendessen am Freitag nahmen wir in einer Pizzeria zu uns. Gutes Essen, guter Wein, hochstehende, tiefgründige Gespräche, was will man mehr. Danach gabs ein paar Kaltgetränke in einem etwas langweiligen Pub, wo dann auch noch die Kollegen Essig, Egli und Conde Molina sich dazugesellten und somit waren wir nun complète. Nun teilte sich die Équipe vorübergehend in zwei Gruppen, die Ca-sino Fraktion verspielte nicht everything aber doch einen beträchtlichen Batzen und die Bierfraktion verspielte es sich in Pub Nummer zwei mit der Leber. Dafür wurden sie dort Zeugen einer veritablen Strassenhauerei, raue Sitten hier im Welschen. Eine Splittergruppe der Ca-sinofraktion fand sich dann zu später Stunde auch noch im Pub ein und gemeinsam ging es dann in den einzigen Club der Stadt. Dort wurden gewohnt lasziv die Hüften geschwungen und virtuos mit dem Booty geshaked. Hier tat sich besonders der heissblütige(Vorurteile soll man pflegen) Conde Molina hervor, welcher in unnachahmlicher Weise bewies, das Tanzen wirklich eine Kunstform ist. Die letzten Overperformer, gäll Juan, fielen erst im Morgengrauen ins Bett.  

Le lendemain 

Am nächsten Morgen um 09:00(!) stand dann bereits die nächste Trainingseinheit an. Einige waren aus Gründen noch nicht in der Lage vor dem Training feste Nahrung zu sich zu nehmen, andere liessen sich das üppig bereitete Buffet, gäll Lini, natürlich nicht entgehen. Das Training selbst, war dann, nun ja, sagen wir mal von überschaubarer Qualität. Sobald mal so etwas ähnliches wie Fussball gespielt wurde, fuhr ein vorabendlicher Clubbesucher haarsträubend in die Parade. Besonders negativ aufgefallen hierbei sind die Señores Huacan, welcher mit Sonnenbrille trainieren wollte und Conde Molina, der anstelle des Balles sich selbst ins Netz spedierte. Wie gesagt, keine Vorurteile bitte. Nach eineinhalb Stunden erbarmte sich Coach Atici und schickte die Spieler zurück ins Hotel zum Lönsch. Hier wurde zum Penneplausch geladen, zur Auswahl an Saucen standen eine originale Carbonara( Rahm, Knorrbrühe, Maizena und Formschinken) und ein hausgemachter Tomatensugo(Ketchup, Wasser und eine Prise Zucker). Eine fast schon sinnliche Erfahrung. Am Nachmittag fand das obligate Trainingsspiel statt, über das getrost der Mantel des Schweigens gehüllt werden darf, gäll Sergio. Dafür entstand nach der Partie ein Teamfoto, das definitiv für die Nachwelt bestimmt ist. Doch dazu später mehr. Coach Atici hatte glücklicherweise vorausschauend für Biernachschub gesorgt, um die bedröppelten Amateure wieder aufzurichten und so stieg das Stimmungsbarometer schon bald wieder an. 

La bataille finale 

Unser dîner genossen wir diesen Abend in einer feinen Brasserie, haute cuisine halt. Dementsprechend viele Cordonbleus und Schnitzel verliessen infolgedessen die Küche. Daraufhin trat man geschlossen den Gang ins Pub Nummer zwei an, wo wir gerade ankommend zuerst einmal als linke Schwuchteln betitelt wurden. Was für ein Affront, links sind wir nicht alle, gäll Alex, obwohl dies dessen Haarpracht vermuten liesse. Was aber gla(u)sklar ist, Nazis raus, sterbäd im Thurgau. Da würde wohl auch Peperdim zustimmen. Im Pöp unterhielt uns Glaus mit zugleich spannenden, wie auch etwas verstörenden Anekdoten aus seinem aufregenden Leben, einige ertrugen diesen Content nicht so gut und warfen sichtlich desorientiert ein paar Pfeile, in sichtbarer Nähe des Dartboards, gegen die Wand. Nach Schliessung des Pöbs trat ein Grossteil den Heimweg an, ein kleiner erlesener Kreis jedoch, sah noch kein Ende in Sicht und betrat erneut die heiligen Hallen des einen Clöbs. Angeführt wurde dieses Ensemble vom blinden äh sorry blonden Siegfried Egli, ein echter Käptn halt. Im Club orderte Gabay mit seiner ersten Amtshandlung einen Vape, welcher im Laufe des Abends dann an Freund und Feind weitergereicht wurde, Prävention haben wir im Blut, anderes hoffentlich (noch)nicht. Eine Clubbesucherin forderte dann jeden von uns zum Tanz auf, weil sie uns so toll fand und nicht, weil sie als Animateurin in Lohnarbeit steht. Nein, sicher nicht. Maurer überzeugte hier ein erstes Mal auch abseits des Rasens, da ist ganz offensichtlich viel Potential vorhanden, bitte mehr davon. Langsam aber sicher neigte sich auch diese Episode dem Ende entgegen, folgerichtig bestellte Dürig für sich ein Uber XL. Aus Platzgründen musste der Rest des Ensembles noch ein zweites Uber anfordern.  

Toutes les bonnes choses ont une fin 

Am Sonntagmorgen wurde noch einmal am Frühstücksbuffet zugeschlagen und danach der Weg zurück nach Zürich eingeschlagen. Einige Exponenten raubten den bemitleidenswerten Mitreisenden mit ihren „Gesprächen“ noch den letzten Nerv, doch der HB kam unerbittlich näher und auch dieses Trainingslager ist Geschichte. Schön wars!  

Rimus Blaumann, Diego Meier 

Hier der versprochene Schnappschuss für die Annalen.