Am Sonntag, 17. Mai 2026, lud der FC Neumünster den FC Altstetten zum Kellerduell auf dem Sportplatz Looren ein. Tagesziel der Neumünsteraner war es nach Abpfiff bei bester Laune und unter Sonnenschein mit Bier und fragwürdig riechendem Schinken-Käse-Toast anzustossen. Vorher wollte man noch den Gästen freundlich aber bestimmt die „rote Laterne“ übergeben und sich damit endgültig vom letzten Tabellenplatz verabschieden.
Das Kader des FC Neumünster war mit 18 Herren voll bestückt. Sommelier Koch wurde direkt aus den Ferien eingeflogen, Mr. No Pain Huber betäubte seinen alternden Rücken mit Schmerzmitteln und der frisch verliebte Müller schwebte – ungefähr gleich betäubt wie Huber – direkt von der Wolke 7 über die Mars-Bar in die Kabine der Hausherren. Kader komplett!
Man war guten Mutes an den errungenen Sieg der Vorwoche anknüpfen und den nächsten obligaten Vollerfolg erringen zu können. Die Startelf gestaltete sich dabei getreu den abgedroschenen Mottos «Never change a winning team» oder «Saftey first» gleich wie in der Vorwoche.
Der junge Schiedsrichter mit dem altertümlichen Vornamen und dem ausserordentlichen Schuhwerk trillerte in seine Pfeife zum Anstoss. Die Anfangsminuten waren geprägt von vorsichtigem Abtasten, wohlwissend um die Wichtigkeit der Punkte an diesem Spieltag. In der ersten Halbzeit waren rund um Minute 15 und 40 alles in allem eher ungefährliche Schüsse auf die beiden Tore zu verzeichnen. Die Spielanteile gestalteten sich ausgeglichen, die Zweikämpfe wurden – bis auf wenige ungestüme und gelb-geahndete auf dem rechten Flügel des FC Neumünster – fair und sauber geführt. In Halbzeit 1 hätte ein Törchen auf Seiten des FC Neumünster fallen können. Der 0:0 Zwischenstand zur Halbzeit wurde jedoch den Leistungen beider Mannschaften letztlich gerecht.
In Halbzeit 2 war dann mehr Zunder drin, das Tempo etwas schneller und die Herren allesamt entschlossener. Ein nichts bringendes Unentschieden wollten sich beide Mannschaften sparen. In Minute 54 bediente schliesslich der leichtfüssige Straumann – man munkelt etwas zufällig – aus eigener Platzhälfte den noch immer liebestrunkenen Müller zwischen die Verteidigungslinien der Altstetter. Dieser schloss ansehnlich aus vollem Lauf mit dem rechten Aussenrist in die untere linke Torecke und läutete damit das noch bevorstehende Torspektakel ein. Lediglich sieben Zeigerumdrehungen später lancierte Pferdelunge Wenk aus dem eigenen Halbfeld Flügelstürmer Gabay mustergültig per langem Steilpass, dieser konnte sich (für einmal) durch die Verteidigungslinie tanken und zum Querpass in den Fünfer der Altstetter ansetzen, dort konnte sich Müller – goldrichtig fliegend – in den Ball hieven und die Führung auf 2:0 ausbauen. Die Neumünsteraner damit im Höhenflug – so auch der Ball von Goali Struchen weit in die gegnerische Platzhälfte, welchen (erneut!) der flinke Gabay nach unsauberer Ballannahme des Altstetter-Innenverteidigers abluxen und schnörkellos ins untere linke Eck schieben konnte. Damit hiess es 3:0 Führung in Minute 62. Es sollten noch lange 30 Minuten werden.
Denn wer nun meint das Ding sei gelaufen – kennt die Gütigkeit von Neumi nicht. Diese Schreiben sich nicht ohne Grund Fussballkunst aus dem Kreis 7 auf die Fahne und entsprechend durften sich die Zuschauer einen erneuten Spannungsbogen zu Gemüte führen als sich die angeschlagenen Altstätter nochmals in Minute 71 mit einem Weitschuss von Valeri durch den vollbepackten 16er von Neumi zum 3:1 und dann noch mittels eiskalt verwandelten Penalty in Minute 80 durch Kordic endgültig zurückmeldeten.
Nur drei Minuten später bot sich Neumi dann doch noch die Grosschance, den Sack endgültig zuzumachen. Nach Balleroberung im Mittelfeld setzte Sadiku mit hohem Ball über zwei Verteidigungslinien den sonst torlustigen Müller vor dem Altstetter-Torhüter in Szene, dieser – wohl nach Doppelpack übersättigt – schoss direkt in die «torhüterischen» Arme, legte dann im Nachfassen noch quer auf den sonst technisch versierten Maurer ab, welcher den Ball – nun ja…noch immer über den Dächern von Witikon sucht.
In den Schlussminuten gab man sich noch einen offenen Schlagabtausch mit viel Kampf, Hektik und Halbchancen. Doch letztlich machte Neumi den Sack dann doch endlich zu und sicherte sich die – um es in einem Wort zu sagen – «hart erkämpften» Punkte. Durchatmen, anstossen, volllaufen lassen!
Trotz des zweiten Siegs in Folge hängt Neumi zwar noch immer weit in den Seilen, doch der Kampf gegen den Abstieg in die Untiefen der vierten Liga geht in die nächste Runde. Dabei herrscht in den Reihen der Neumünsteraner die unerschütterliche Zuversicht, den Abstieg – trotz Trainerkarussells – noch aus eigenen Kräften abwenden zu können. Am kommenden Sonntag, 31. Mai 2026, 12.00 Uhr, heisst es in Altstetter-Mundart «Bulle schlah». Die Neumünsteraner sind auf dem Sportplatz Neudorf zur Spielaustragung gegen den FC Oerlikon/Polizei vorgeladen. Zuschauer als Vertrauenspersonen – gerne auch zahlreich mit Kind und Kegel – sind selbstredend gern gesehen. Auf, auf!
